21.06.2018 13:19 Alter: 30 days
Kategorie: Aktuelles Aktuelles

„Don Carlos“ feiert Premiere

Landesjugendorchester NRW durch Heimwärts-Projekt gefördert


Das Landesjugendorchester NRW realisiert eine Eigenproduktion der Oper Don Carlos von Guiseppe Verdi und betritt damit echtes Neuland. Regisseur Bernd Schmitt und Bühnenbildnerin Birgit Angele entwickeln eine zeitgemäße Inszenierung, die das Werk für ein breites Publikum neu erfahrbar macht. Das Orchester wird aktiv in das Geschehen auf der Bühne eingebunden. Die Oper ist in der Heimwärts-Förderung des Kultursekretariat NRW Gütersloh vertreten. Weitere Infos: www.heimwaerts-nrw.de


Mit seiner ersten eigenen Opernproduktion wird das Landesjugendorchester NRW ab August 2018 spannende Fragen aufwerfen. Welchen Anteil hat der Einzelne an der Bündelung der Macht in der Welt und wie aktuell ist die Oper Don Carlos für junge Menschen heute? Wie wird Wissen zu Macht? In der Inszenierung werden durch mutige Eingriffe in das Original Themenkomplexe sichtbar, die für das Publikum von heute relevant sind. „Wir planen keine historisch korrekte Aufführung, weder in Bezug auf Verdi, noch in Bezug auf Schiller. Wir nutzen die Oper vielmehr als Diskussionsgrundlage“, so Bernd Schmitt über die Inszenierung. Der Untertitel (corridors of power – Schaltzentralen der Macht) verweist dabei auf den inhaltlichen Ansatz und auf die Anbindung der Thematik an die gesellschaftlichen
Strukturen des 21. Jahrhunderts. Digitale Daten und deren Nutzung spielen in diesen Schaltzentralen eine wichtige Rolle. In einem eindrucksvollen Bühnenbild von Birgit Angele hebt das auf der Bühne improvisierende Orchester die Verdische Welt für kurze Zeit aus den Angeln, und für einen utopischen Moment werden die Machthaber ihren Einfluss verlieren.


Jede Oper birgt so viele Einzelaspekte, dass Schwerpunkt-Entscheidungen sinnvoll erscheinen. Die Produktion des Landesjugendorchester NRW kreist um die Fragen, wie viele Daten und Informationen jeder einzelne in das System einspeist, was er dabei gewinnt und ob es eine Macht im Hintergrund gibt, die sammelt und steuert. „Don Carlos – corridors of power“ möchte diese Themen sinnlich erfahrbar machen. Die Figuren der Handlung werden in ihren Charakteren eindeutig inszeniert und entsprechend bekleidet: König Philippe trägt nur eine Lederhose, schwarze Handschuhe und spielt – männlich aber verletzlich – mit bloßem Oberkörper. Er ist Produkt des Systems. Don Carlos wird als Clown entwickelt: Ihm gelingt nichts, aber er hat unsere Sympathie. Marquis von Posa versucht sich in unterschiedlichen Erscheinungen und Tarnungen des Systems zu bedienen, immer um Unabhängigkeit bemüht und Eboli flirtet sich als „Hure“ des Stückes durch die Handlung. Mit „corridors of power“ schafft das Landesjugendorchester NRW ein innovatives Opernformat und zeigt einmal mehr lustvolles Experimentieren mit klassischer Musik.