Raumklang-Projekt "Concert in the Dark"

„Concert in the dark“ ist eine Konzertform, die unter Leitung des Posaunisten Shawn Grocott in unserer Mitgliedsstadt Detmold entwickelt wurde. Das Konzept beruht darauf, dass die Zuhörer sich ganz auf ihr Hören verlassen, auf einen sehr ursprünglichen Zugang zur Musik. Einzig auf die akustische Sinneswahrnehmung konzentriert, nimmt der Körper des Hörers sämtliche Feinheiten und Schattierungen der Musik umso intensiver wahr und wird dabei Zeuge einer besonderen Synthese von Raum und Musik. Gefördert wird hier in erster Linie der qualitative Fortschritt der Rezeption, was mitunter viel mehr Not tut als noch weitere Förderung der Produktion. Die hohe Qualität der Produktion wird vorausgesetzt.

 

Praktisch verläuft es so, dass die Zuhörer beim Zugang zum Konzertort abgeholt werden. Sie bekommen eine Verdunklungsbrille, etwa so wie Schlafbrillen, und werden zu ihren Plätzen geführt. Es gibt keine schriftliche oder verbale Einleitung zu den Stücken. Die Zuhörer wissen nicht, was sie hören werden, sie wissen nicht, von woher die Musik kommt, ggf. wissen sie nicht einmal, welche Instrumente sie hören werden. Es gibt kein Zurückgreifen auf ein abrufbares Vorwissen, auf Programmhefte, auf Vorurteile, sondern einen unmittelbaren Zugang. Die Sitzordnung des Publikums nimmt auf die Gegebenheiten des Raumes und die Anordnung der Musiker im Raum Rücksicht. Im Regelfall wechseln diese im Verlauf des Konzerts auch ihren Standort, von den sehr unbeweglichen Instrumenten einmal abgesehen. Daher sind auch herkömmliche Konzert- und Theaterräume mit einer festen Bestuhlung eher ungeeignet; geeignet sind flexibel zu bestuhlende Orte mit vielen akustischen Möglichkeiten. Sei es durch ihre Größe, sei es durch ihre besondere Akustik oder Architektur.

 

Zu einer gewinnbringenden Umsetzung bedarf es hervorragender Musiker und einer gewieften künstlerischen Leitung, die mit Räumen, Repertoire und Hörerwartungen umgehen kann und selbstverständlich auch mit einer gehörigen Portion Kreativität ausgestattet ist. Diese Rolle des Produktionsleiters wird Shawn Grocott übernehmen, der im Rahmen der bereits veranstalteten Konzerte in Detmold und Paderborn bereits das notwendige Fingerspitzengefühl eindrucksvoll unter Beweis stellen konnte.

 

Für eine Förderreihe des Kultursekretariats NRW Gütersloh ist es eine besonders anspruchsvolle Reihe, weil Konzept gefördert wird und nicht ein festes Programm. Für jeden Raum der projektbeteiligten Mitgliedsstädte wird ein völlig neues Programm mit einer neuen Besetzung entwickelt. Es sind Besuche vor Ort und eine individuelle, ortsspezifische Projektentwicklung erforderlich. Die Notwendigkeit des Mitteleinsatzes variiert stark. Im Regelfall brauchen allerdings große Räume größere Ensemblestärken.

 

Als Beispiel für die Unterschiedlichkeit der Konzerte sei auf die 2015 in Detmold und Paderborn durchgeführten Konzerte verwiesen, bei denen aufgrund der Unterschiedlichkeit der Räume zwei völlig verschiedene Ensembles und Herangehensweisen zum Einsatz kamen. Im Hangar 21 in Detmold nutzte Shawn Grocott die Dimensionen, die große Entfernung einer leeren Flugzeughalle. In der Paderborner Kaiserpfalz, die ein einziger großer Raum auf mehreren Ebenen mit diversen offenen Nebenräumen (Ikenbergkapelle, Quellkeller etc.) ist, nutzte er ebendiese Ebenen des Hauses und bezog sogar die Glocken des nicht auffällig benachbarten Domes mit ein – die Tür zu dem zum Dom hin ausgerichteten Huldigungsbalkon wurden geöffnet. In dem modernen Raum in Detmold war die Grundlage des Konzerts Musik der Renaissance, die für große Räume geschrieben wurde. Im historischen Raum in Paderborn war der musikalische Ansatz deutlich zeitgenössischer.

 

Fotorechte: WorldBrass Ensemble